Hinduismus: eine Religion mit vielen Gesichtern

HinduismusDer Hinduismus stammt ursprünglich aus Indien und hat weltweit rund eine Milliarde Anhänger. Damit ist der Hinduismus die drittgrößte Weltreligion nach dem Christentum und dem Islam. Die Anhänger dieser Religion werden als Hindus bezeichnet. (1)

Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff Hinduismus „Einheit der Vielfalt“. Der Grund: Es handelt sich nicht um eine einheitliche Religion, sondern um eine Sammlung unterschiedlicher Religionen, die auf dem indischen Subkontinent gepflegt wurden. (2)

Unterscheidet zu anderen Religionen

In anderen Weltreligionen gibt es zwar unterschiedliche Strömungen, wie es im Christentum beispielsweise bei Katholiken, der evangelisch-lutheranischen, der anglikanischen und orthodoxen Kirche der Fall ist. Diese gehen aber auf Religionsstifter wie Jesus von Nazareth oder Martin Luther zurück oder haben sich aus – geographisch bedingten Gründen – unterschiedlichen Traditionen heraus entwickelt. (3)

Beim Hinduismus hingegen handelt es sich um eine Sammlung unterschiedlicher Religionen mit verschiedenen Gottheiten, Lehren und Traditionen. Selbst Feste und Gebetszeiten werden von Hindus unterschiedlich ausgelegt und gestaltet. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten bei den hinduistischen Religionen: Ihr Ursprung liegt durchwegs in Indien. Zudem fassen Hindus ihre jeweilige Religion als Ordnung der ganzen Welt inklusive der Verhaltensregeln für die Gläubigen auf. (2)

Die Entwicklung des Hinduismus

Kankali-Devi TempelIm dritten vorchristlichen Jahrtausend hatte sich mit der sogenannten Industalkultur eine hochentwickelte Stadtkultur entlang des Hindukusch und seiner Nebenflüsse entwickelt. Diese hatte bis etwa 1400 vor Christi Geburt bestand. Obwohl die Schrift dieser Kultur bislang nicht übersetzt werden konnte und bildliche Darstellungen als einzige Quelle genutzt werden können, geht die Forschung davon aus, dass die religiösen Vorstellungen dieser Kultur in den Hinduismus einflossen. (4)

Gegen Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends wanderten indoeuropäische Stämme ein und unterwarfen die einheimische Bevölkerung. Diese hatten ihre religiösen Vorstellungen zunächst mündlich weitergegeben und in den vier Veden schriftlich festgehalten. (4) Westliche Orientalisten schätzen deren Entstehung auf den Zeitraum zwischen 1500 und 800 vor Christi Geburt ein. Nach indischer Auffassung sollten sie dagegen bereits 3227 vor Christi Geburt niedergeschrieben worden sein. (5)

In dieser vedischen Zeit kannte der Hinduismus weder Tempel noch die bildliche Darstellung von Gottheiten. Die Priesterkaste hatte in dieser Zeit eine äußerst starke Dominanz erreicht, welche für Unmut bei den gläubigen Hindus sorgte. Zur Zeit des Asketischen Reformismus bildeten sich ab dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert neue Strömungen aus, aus welchen unter anderem der Buddhismus hervor ging. Nachdem Pali und Ardhamagadhi das Sanskrit als heilige Sprache abgelöst hatten, entwickelte sich der klassische Hinduismus. (4)

Die Hauptrichtungen im Hinduismus

Religionen im Hinduismus
Aus den unterschiedlichen Religionen im Hinduismus haben sich drei Hauptrichtungen entwickelt

Aus den unterschiedlichen Religionen im Hinduismus haben sich folgende drei Hauptrichtungen herauskristallisiert: (1)

Der Vishnuismus

Vishnuisten glauben an Vishnu als höchste Gottheit, dem alle anderen Götter untergeordnet seien. Forscher nehmen an, dass die Tradition des Vishnuismus in die Zeit zwischen dem 9. und dem 6. vorchristlichen Jahrhundert zurück reicht. Weit verbreitet ist dieser Glaube im indischen Mittelstand, nach der Zahl der Gläubigen zählt der Vishnuismus zu den größten Religionen Indiens. (6)

Der Shivaismus

Der Glaube an die zerstörerische Gottheit Shiva hat seinen Ursprung in einer Bevölkerungsschicht, die am Rande der indogermanischen Siedlungen lebte. Bezeichnet wird Shiva auch als „Herr der Tiere“ oder „der Hinwegraffer“. Den Gläubigen gilt Shiva jedoch auch als hilfreicher Gott, weil er auch Übel abwenden kann. Weitere Verbreitung fand der Shivaismus, als die Inder zwischen dem 7. und 5. vorchristlichen Jahrhundert zunehmend in Städten lebten. (1)

Der Shaktismus

Im Shaktismus werden eine Göttin oder weibliche Gottheiten verehrt. Diese werden als universelle Urkraft gesehen. Der Shaktismus hat seine Wurzeln im Shivaismus und weist keine grundsätzlichen Unterschiede zu dieser Richtung auf. Lediglich das höchste Prinzip wird anders gesehen. (1)


Quellenverzichnis

  1. Wikipedia.org: Hinduismus, https://de.wikipedia.org/wiki/Hinduismus, abgerufen am 16. Oktober 2017
  2. Religionen entdecken, Hinduismus, http://www.religionen-entdecken.de/religionen/hinduismus, abgerufen am 16. Oktober 2017
  3. Wikipedia.org, Christentum, https://de.wikipedia.org/wiki/Christentum, abgerufen am 16. Oktober 2017
  4. Yoga-Vidya, Hinduismus, https://wiki.yoga-vidya.de/Hinduismus#Geschichte_des_Hinduismus, abgerufen am 16. Oktober 2017
  5. Yoga-Vidya, Veden, https://wiki.yoga-vidya.de/Veden#Die_vedischen_Schriften, abgerufen am 16. Oktober 2017
  6. Wikipedia.org, Vishnuismus, https://de.wikipedia.org/wiki/Vishnuismus, abgerufen am 17. Oktober 2017

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